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N - Notaranderkonto

Notaranderkonten sind treuhänderisch verwaltete Girokonten, die nicht Zwecken des Inhabers dienen dürfen. Die oftmals verkürzend als „Anderkonten“ bezeichneten Konten werden häufig von Rechtsanwälten, Notaren und Insolvenzverwaltern genutzt, um es in eigenem Namen (auf den Namen des Verwalters) für eine andere Person oder Personengemeinschaft zu führen. Der Kontoverwalter eröffnet und führt das Konto zwar auf seinen Namen, darf die Guthabenbeträge des Kontos aber nicht für sich selbst nutzen. Das Kontoguthaben gehört auch nicht zum Vermögen des Kontoinhabers.

Es wird zwischen verdeckten und offenen Treuhandkoten unterschieden. Verdeckte Treuhandkonten lassen keinen Rückschluss auf das Treuhandverhältnis zu. Offene Treuhandkonten weisen in der Kontobezeichnung durch einen Zusatz aus, dass ein Treuhandverhältnis besteht.

Zu den offenen Treuhandkonten gehören neben dem Anderkonto auch weitere sonstige offene Treuhandkonten:

  • private Treuhandkonten wie z.B. Mietkautionssparbücher und häufig auch von Haus- oder WEG-Verwaltern genutzte Konten oder
  • gesetzliche Treuhandkonten, wie z.B. im Zuge einer Insolvenz vom Insolvenzverwalter geführte Konten.

Beim Immobilienkauf nutzte der beurkundende Notar früher standardmäßig das Notaranderkonto als Sicherheitsinstrument für den Käufer und den Verkäufer der Immobilie. Das Notaranderkonto diente dem sicheren Geldtransfer und der Eigentumssicherung des Käufers. Der Notar führte treuhänderisch ein Konto, auf das der Käufer den Kaufpreis einzahlte. Erst nach korrekter Eintragung des Käufers in das Grundbuch als neuer Eigentümer des Grundstückes überwies der Notar den Kaufpreis an den Verkäufer. Der Verkäufer musste oftmals Geduld beweisen, da die Eintragung durchaus mehrere Monate dauern konnte.

1998 wurde das Beurkundungsgesetz geändert, seitdem besteht gem. § 54 a BeurkG ein zwingender Vorrang für die Abwicklung eines Grundstückskaufvertrags ohne Notaranderkonto. Der beurkundende Notar muss versuchen, jeden Grundstückskaufvertrag ohne Notaranderkonto abzuwickeln. Eine "formularmäßige" Abwicklung über Notaranderkonto – wie früher üblich - ist gesetzlich nicht mehr erlaubt.

Ausnahmen sind nur dann zulässig, wenn ein "besonderes berechtigtes Sicherungsinteresse" besteht. Hierfür ist der Wunsch der Parteien oder der Finanzierungs- bzw. abzulösenden Banken nicht ausreichend. Es muss vielmehr ein Sicherungsinteresse von Verkäufer und Käufer bestehen, das über die normalen Sicherungsinteressen eines Standardgrundstückskaufvertrages hinausgeht, also um eine besondere Fallkonstellation, in der das Notaranderkonto unentbehrlich ist.

Bei einer Abwicklung über Notaranderkonto gibt der Notar das eingezahlte Geld erst dann an den Verkäufer weiter, wenn alle Vertragsbedingungen erfüllt sind. Mit Einzahlung auf das Anderkonto gehen Nutzen und Lasten auf den Käufer über, auch wenn er noch nicht im Grundbuch eingetragen ist. Das Notaranderkonto gilt als die sicherste Form der Kaufpreisabwicklung, denn erst nach Eintragung des Käufers in das Grundbuch als neuer Eigentümer der Immobilie überweist der Notar das Geld an den Verkäufer.