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  • Drei starke Frauen, drei Interviews: „Fleißiges Bienchen allein reicht nicht“
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Dreieinhalb Fragen an... Christina Kock

„Fleißiges Bienchen allein reicht nicht“

Prof. Dr. Martin Lang (2.v.l.), Prof. Dr. Stefan Heinemann (6.v.l), Reinhard Paß (7.v.l.) und Kita-Leiterin Andrea Döpper (ganz rechts) im Kreise von MINT-Botschaftern und Kita-Kindern
Christina Kock

Am 16. November ist es wieder so weit: Im BCW-BildungsCentrum der Wirtschaft in Essen steigt der Frauentag. Unter dem Motto „Frau & Beruf: Selbstanalyse und Selbst-MARKE-ting – Das beste Erfolgsrezept für Frauen“ sprechen weibliche Führungskräfte aus Wirtschaft und Justiz über Rollenbilder, Selbstdarstellung und effektive Karriereentwicklung. Wir stellen eine Referentin im Mini-Interview "Dreieinhalb Fragen an ..." vor: Karriereberaterin Christina Kock, Dr. Monika Anders, Präsidentin des Landgerichts Essen, und Persönlichkeits-Coach Obiageli Iszabella Njoku. Heute: Christina Kock, 57, einst eine der jüngsten (und wenigen) Frauen im Finanzvorstand einer Bank, ist inzwischen selbstständige Karriereberaterin und so etwas wie eine „Selfmadewoman“ – obwohl sie so einen Begriff nicht mag.

Worum geht es in Ihrem Vortrag beim BCW-Frauentag?

Es geht darum, wie Frauen sich selbst besser präsentieren, ihre ganz persönlichen Stärken herausstellen und nach außen „vermarkten“. Ich selbst habe nicht studiert und war mit 37 Vorstand einer mittelständischen Genossenschaftsbank. Ich wusste sehr früh, was ich wollte, hatte Themen, für die ich gebrannt habe und habe mich im Unternehmen engagiert. Zudem war es sicher von Vorteil, dass mir verbale Selbstvermarktung – sprechen über das was ich tue und leiste – immer leicht gefallen ist. Die fleißige Biene macht weniger Karriere als die Biene, die auch noch mit ihrer Leistung wahrgenommen wird. Frauen müssen ihre Stärken kennen und wissen, wie und mit was sie wahrgenommen werden möchten. Und genauso sollten sie sich präsentieren. Ich werde dazu eine kleine Übung mit den Zuhörerinnen machen.

Warum brauchen wir einen Frauentag?

In erster Linie darum, weil Frauen sich eher und leichter mit dem gleichen Geschlecht austauschen. Gerade auch wenn es um den Aufbau von wichtigen Karriere-Netzwerken geht, brauchen wir eine solche Plattform. Darüber hinaus würde ich mir trotzdem mehr „gemischte“ Netzwerk-Treffen wünschen, bei denen Männer und Frauen voneinander lernen und profitieren. Denn man darf dabei nicht vergessen, dass auch Männer oft unter Druck stehen, weil sie gewisse Erwartungen an ihren Erfolg erfüllen müssen oder in unpassenden Jobs landen. Besonders junge Männer brauchen da Unterstützung.

Was machen Frauen Ihrer Meinung nach falsch?

Meine Wahrnehmung ist, dass Frauen sich bisher – zumindest verbal – noch wenig über ihren Beruf identifizieren. Ich erlebe sehr häufig in der Kommunikation von Frauen, dass sehr schnell über Privates oder Persönliches gesprochen wird. Männer erlebe ich da völlig anders.  Egal, wo Mann auf Mann trifft, sei es bei Geschäftsterminen oder auch in der Freizeit, es wird ziemlich oft über die eigene Arbeit gesprochen, über wichtige Projekte, Problemstellungen oder Aufträge. Männer vernetzen sich so ganz nebenbei und auf ganz natürliche Weise. Das tun Frauen leider kaum bis gar nicht. Frauen identifizieren sich selten über ihren beruflichen Kontext. Was Frauen beruflich leisten, was ihre Kernkompetenzen sind und vor allem welche Ziele sie haben, bekommt man von ihnen in der Regel nicht zu hören. Frauen vergeben damit Chancen, sich zu positionieren. Das ist sicher eines der größten Defizite, an denen Frauen meiner Meinung nach arbeiten müssen oder sollten. Denn an dieser Stelle haben sie es ausschließlich selbst in der Hand. Sie brauchen eine Art Vertrag mit sich selbst: „Ich will als beruflich kompetente Person wahrgenommen werden, ich habe etwas zu sagen bzw. mitzuteilen und tue es bei jeder passenden Gelegenheit.“

Vervollständigen Sie diesen Satz: Eine starke Frau ist …

… sich über ihre Wünsche im Klaren und verfolgt diese mit viel Energie. Idealerweise hat sie auch privat einen starken Rückhalt, denn wenn sie nicht einmal z.B. ihren Ehemann oder Freunde von ihren Fähigkeiten überzeugen kann, wen dann? Der Lebenspartner sollte deshalb viel stärker in die Diskussion um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf mit einbezogen werden.

 

Weitere Informationen zum Frauentag im Flyer.