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Interview mit Michael Schulz und Jens Redlinger

„Nicht jeder kommt in der neuen Arbeitswelt zurecht!“

Michael Schulz (links) und Jens Redlinger sind die pädagoggischen Leiter der Lehrgänge im Gesundheits- und Pflgebereich
Michael Schulz (links) und Jens Redlinger sind die pädagoggischen Leiter der Lehrgänge im Gesundheits- und Pflgebereich

Der Gesundheitsmarkt boomt – das zeigt auch die gestiegene Nachfrage nach spezifischer Weiterbildung, besonders am BCW BildungsCentrum der Wirtschaft. So ist etwa der Lehrgang Fachwirt/- in für Prävention und Gesundheitsförderung (IHK) im November das erste Mal in Essen gestartet. Viel zu tun für Michael Schulz und Jens Redlinger. Sie sind die pädagogischen Leiter für den Bereich Gesundheit am BCW und gestalten die Inhalte maßgeblich mit. Im Interview sprechen sie über die schnelllebige Arbeitswelt, die wachsende Bedeutung betrieblichen Gesundheitsmanagements und die Verantwortung der Wirtschaft.

Das BCW ist der einzige Träger, der diesen Lehrgang anbietet und hat den Bedarf früh erkannt: Die IHK für Essen, Mülheim an der Ruhr und Oberhausen zu Essen ist nach Saarbrücken die erste Kammer, die eine den Zertifikatslehrgang ins Ruhrgebiet geholt hat – auf Hinweis und Wunsch des BCW. Herr Schulz, Herr Redlinger, immer mehr Erwerbstätige aus den verschiedenen Branchen entscheiden sich für eine Weiterbildung in diesem Bereich. Wie erklären Sie sich diese Entwicklung?

Michael Schulz:  Und ein weiterer Lehrgang – der Fachwirt für Gesundheits- und Sozialwesen (IHK) – wird darüber hinaus bereits seit 12 Jahren angeboten. Beide Lehrgänge starten wieder im Oktober 2014. Außerdem lädt das zur BCW-Gruppe gehörende IOM Institut der FOM Hochschule am 7. Februar zu einem Fachforum zum Thema „Betriebliches Gesundheitsmanagement" ein. Da spielen viele Faktoren eine Rolle. Auf der einen Seite der demografische Wandel: Die Menschen bzw. Mitarbeiter werden immer älter, Pflege und Gesundheit rücken immer mehr in den Mittelpunkt. Es findet also eine komplette Veränderung in der Gesellschaft statt, die sich auch in den Unternehmen bemerkbar macht.

Jens Redlinger: Immer mehr Firmen, und das ist erfreulich, haben deshalb ein Interesse daran, ihre Mitarbeiter lange gesund und damit lange aktiv im Unternehmen zu halten. Aber auch die Arbeitswelt hat sich erheblich verändert.

Inwiefern?

Redlinger: Mittlerweile würde wohl jeder bestätigen, dass alles schnelllebiger geworden ist – zu Lasten der Gesundheit. Erwerbstätige müssen heute viel mehr als noch vor 50 Jahren neben den fachlichen vor allem persönliche Kompetenzen vorweisen. Es reicht nicht mehr, auf einem Gebiet Expertenwissen zu haben, man muss auch noch Eigeninitiative und besonders kommunikative Talente besitzen. Durch die Entwicklung der digitalen Medien hat sich auch die Arbeitsweise verändert. Alles muss schneller und am besten sofort erledigt werden. Die Prozesse und Arbeitsabläufe sind komplexer, Organisation und Formalismen stehen im Vordergrund.

Schulz: Das ist alles erst einmal kein Problem und machbar. Aber man darf dabei nicht aus dem Blick verlieren, dass da nicht jeder ohne Probleme mitkommt. Maßnahmen im Unternehmen, besonders aus dem Bereich der Arbeitsmedizin, werden folglich immer zentraler für den Erfolg eines Unternehmens.

Wie schätzen Sie aktuell den Stellenwert des betrieblichen Gesundheitsmanagements ein?

Schulz: Der ist gewachsen. Viele, vor allem größere Unternehmen, haben längst erkannt, wie wichtig gesunde und dadurch motivierte Mitarbeiter sind. Einige Konzerne haben dafür sogar ganze Abteilungen eingerichtet oder bieten in den Mittagspausen Massagen, Sauna-Gänge, Schwimmen oder Joggen in der Gruppe an. Es gibt Ernährungsberatung und gesundes Kantinenessen.

Redlinger: Das ist natürlich vorbildlich. Aber selbstverständlich ist das nicht in allen Firmen umsetzbar – weil dafür schlicht die Mittel fehlen. Dennoch bemerken wir einen Trend zu „gesundheitsbewussteren“ Unternehmenskulturen.

Und was können auch kleinere Unternehmen tun? Müssen diese stärker mit Unternehmen und anderen Gesundheitsträgern wie Krankenkassen kooperieren?

Redlinger: Diese Kooperationen gibt es schon. Allerdings könnten sie stärker ausgebaut werden. Aber ein kleiner Handwerksbetrieb mit sechs Mitarbeitern kann und wird so etwas auch mit ein wenig Unterstützung kaum stemmen können. Das kann man mit einem großen Betrieb mit hoher Fluktuation nicht vergleichen.

Schulz: Dennoch ließen sich auch für kleine Firmen außerbetriebliche Gesundheitsmaßnahmen managen. Bei einem kleinen Mitarbeiterstamm ist es zudem viel einfacher, gezielte und konkrete Maßnahmen anzubieten, die auf die üblichen Beschwerden zugeschnitten sind. Zum Beispiel Maßnahmen gegen Rückenbeschwerden in der Schreinerei, gerade weil sich viele Mitarbeiter in der Vergangenheit vielleicht über Rückenleiden beklagt haben.

In den Lehrgängen der BCW Weiterbildung sitzen Menschen, die  bereits im Gesundheitsbereich tätig sind oder sein möchten, um betriebswirtschaftliche Kenntnisse zu erlangen.

Schulz: Das zeigt nur, wie sehr der Gesundheitsbereich gewachsen ist und wie wichtig er auch außerhalb der Unternehmen ist. Es gibt immer mehr Fitness-Studios, immer mehr Wellness-Anlagen etc. Die Gesellschaft ist also prinzipiell gesundheitsbewusster geworden. Und diese Grundstimmung überträgt sich natürlich auch auf andere Bereiche der Wirtschaft.

Wie hoch ist der Anteil derer, die vom Unternehmen in die Fortbildung geschickt werden?

Redlinger: Das verhält sich in etwa 60 zu 40, die vom Unternehmen in die Fortbildung geschickt werden. Aber dies hat vor allem im Abend-Bereich zugenommen. Das sah zuvor noch anders aus, die meisten Teilnehmer kamen auf eigene Initiative oder waren Selbstständige aus dem Bereich.

Aus welchen Bereichen kommen die Teilnehmer?

Schulz: Das ist sehr heterogen. Es sind meist Praktiker, die einen methodischen Unterbau aus betriebswirtschaftlichen Kenntnissen brauchen. Diese Kenntnisse, gerade was das Management und Controlling angeht, sind unabdingbar.

Redlinger: Denn wenn man das Thema Gesundheit fest im Unternehmen integrieren möchte, geht das nur mit profunden kaufmännischen Kenntnissen. Diese zwei Komponenten sind eigentlich untrennbar.